Tarifrunde Einzelhandel

Zeitspiel der Arbeitgeber bedroht Existenz der Beschäftigten:

Pressemitteilung vom 07.08.2023

Nachdem die Fortsetzung der vierten Verhandlungsrunde Mitte Juli einseitig durch die Arbeitgeber abgesagt wurde, ist auch die heutige fünfte Verhandlungsrunde für die rund 517.000 sozialversicherungspflichtigen und 197.000 geringfügig Beschäftigten im NRW Einzelhandel ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Damit geht die Blockadehaltung der Arbeitgeber auch nach viereinhalb Wochen weiter.

„Es ist ein Skandal, wie die Arbeitgeber mit ihren Beschäftigten umgehen. Es wird Geld in die Hand genommen, um Beschäftigte vom Streiken abzuhalten oder Zeitprämien an diejenigen verteilt, die sich nicht an Streikmaßnahmen beteiligen. Am Verhandlungstisch werden aber weiterhin nur Reallohnverluste geboten. Dieses Zeitspiel geht zu Lasten der Beschäftigten, die dringend auf Entgelterhöhungen angewiesen sind“, erklärte die ver.di Verhandlungsführerin, Silke Zimmer.

„Die Tarifverträge im Einzelhandel sind seit Ende April gekündigt. Mit jedem Monat der verstreicht, können sich die Beschäftigten weniger von ihrem Einkommen leisten. Die Lebensmittelpreise steigen kontinuierlich an. Die niedrigen Entgelte treffen überwiegend Frauen in ihrer Existenz. Die Angst vor Altersarmut ist dabei nicht nur ein Gefühl, sondern eine skandalöse Realität. Dieses Angebot liegt Welten von den Erwartungen der Beschäftigten entfernt. Damit kommen unsere Arbeitskämpfe in eine nächste Phase“, so Silke Zimmer weiter.

ver.di fordert in der Tarifrunde 2023 im Einzelhandel NRW 2,50 Euro mehr Gehalt und Lohn pro Stunde. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 250 Euro angehoben werden. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 12 Monate betragen. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft ein Mindeststundenentgelt von 13,50 Euro.

Das Arbeitgeberangebot sieht eine Erhöhung der Entgelttabellen von 150 Euro ab August 2023 vor. Das entspricht einer Erhöhung des Stundenentgelts für ein/e Verkäufer*in im Endgehalt von 92 Cent pro Stunde. Das Mindeststundenentgelt soll 13 Euro betragen. Darüber hinaus soll es für die Monate Mai bis   August 2023 eine Einmalzahlung von 450 Euro als Inflationsausgleichsprämie geben (Teilzeitbeschäftigte anteilig, Auszubildende 150 Euro). Arbeitgeber, die bereits eine Inflationsausgleichsprämie gezahlt haben, können diese miteinander verrechnen.

Für Arbeitgeber mit wirtschaftlicher Notlage soll es eine Notfallklausel geben. Im Mai 2024 sollen die Entgelte für alle Beschäftigten um weitere 3,1 Prozent angehoben werden. Die Ausbildungsvergütungen sollen zu August 2023 um 50 Euro und in 2024 ab Mai ebenfalls um 3,1 Prozent erhöht werden.

Hinweis für die Redaktionen: Die Verhandlungen werden am 25. August um 11:00 Uhr fortgesetzt.

Kontakt im Fachbereich Handel: Heino Georg Kaßler - 0175 2976712