Konzern- und Unternehmensdaten

Real

Real

Branche

SB-Warenhäuser

Unternehmenssitz

real GmbH

Metro-Straße 1, 40235 Düsseldorf

Firmengeschichte

1965, erster Markt in Alzey (Massa). Real ist aus verschie-denen SB-Warenhaus-Unternehmen entstanden: Real-kauf, divi, Continent, massa, massa-mobil, Meister, esbella, ba-sar, BLV, Huma und Suma, Allkauf, Kriegbaum, Wal-Mart.

Umstrukturierung

Durch die Aufspaltung der Metro Group haben sich zwei unabhängige und auf ihr jeweiliges Marktsegment speziali-sierte Konzerne gebildet, die Elektroniksparte (Ceconomy) und die Metro AG (Lebensmittel). Die neue Metro AG steht auf vier Säulen: Metro Cash & Carry, Real, Food Service Distribution, Servicegesellschaften.

Vertriebsmarken

Real-Markt, Real-Online-Shop, Real Online Lebensmittelshop

Vorsitzende der GF

Henning Gieseke, Patrick Müller-Sarmiento

Wirtschaftliche Kerndaten (GJ Ende Sep.)

 

GJ 2016/17

GJ 2015/16

Umsatz

7,25 Mrd. Euro

7,48 Mrd. Euro

Mitarbeiter

34.195

35.121

Standorte

282

285

Ebit

80 Mio. Euro

105 Mio. Euro

Anmerkungen & Kommentare

Letztes GJ: Real gilt seit längerem schon als „Sorgenkind" der Metro. Vieles wurde ver-sucht: „Strategische Neuausrichtung", „Schärfung der Marke Real, Optimierung des Markt-auftritts und des Vertriebsnetzes" usw. Immer wieder großartige Ankündigungen! Was aber folgte, hieß vor allem Schließung, Personalabbau und Wechsel in der Geschäftsfüh-rung. Die Probleme sind geblieben. Seit 2014/2015 sank der Umsatz um mehr als eine halbe Milliarde Euro. Gleichzeitig wurden Häuser geschlossen – allein 12 in den letzten zwei Jahren. Aber auch flächenbereinigt sank der Umsatz im letzten GJ um 1,0 Prozent. Derzeit gibt es noch 281 Märkte (Stand Ende März 2018).

Real muss – wie alle Großflächen – gegen einen Trend ankämpfen: „Der Großeinkauf mit Familie im SB-Warenhaus wird von den Kunden immer weniger geschätzt" (LZ vom 20.4.2018). Die Konkurrenten waren dabei offensichtlich erfolgreicher. So konnten z.B. Kaufland und Globus 2017 immerhin noch ein Umsatzplus von 1,4 % bzw. 1,7 % erzielen.

Personalkosten im Visier: Der UL fällt nicht viel mehr ein als Personalkosten zu senken – und Drohungen auszusprechen. Immer wieder wurden und werden „bedrohte" (ertrags-schwache) Märkte genannt... Schon vor mehr als drei Jahren ließ Metro-Vorstand Koch verlauten: „Eine Perspektive habe Real nur wenn die Belegschaft Zugeständnisse mache" (LZ vom 21.4.2015). Real brauche „wettbewerbskonforme Bedingungen bezüglich der Personalkosten". Das ist eine erstaunliche Aussage wenn man bedenkt, dass der Branchenprimus Kaufland nicht nur tarifgebunden ist, sondern sogar über Tarif zahlt (Kaufland Presse-portal vom 25.10.2017).

Tarifflucht: Bereits 2015 war Real aus der Tarifbindung ausgestiegen. Nach einer massi-ven Streik- und Protestwelle kam dann schließlich zwischen UL und ver.di ein sogenannter Zukunftstarifvertrag (ZTV) zustande. Dieser beinhaltete die Rückkehr von Real in den Flä-chentarif und Beschäftigungsgarantien – dagegen stand ein befristeter Verzicht auf Gehaltserhöhungen, sowie Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Darüberhinaus gab es die Verpflichtung, bis März 2018 eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln. ver.di hat dazu ein Papier vorgelegt – welches die Arbeitgeber aber als zu „komplex" ablehnten. Anfang 2018 legte dann die UL ihr „Modell" vor, das bis zu 40 Prozent weniger Lohn beinhal-tete. Weil die ver.di-Tarifkommission diese Billigtarife nicht akzeptierte, erklärte die Unternehmensseite das Scheitern der Verhandlungen.

Im April 2018 wurde seitens der UL beschlossen das operative Geschäft von Real in die Metro Services GmbH auszugliedern. Gleichzeitig wurde der ZTV von Metro gekündigt (die-ser gilt seit Juni 2018 nicht mehr). In der Metro Services GmbH haben der eigene Arbeit-geberverband AHD und die „Gewerkschaft" DHV bereits Tarifverträge abgeschlossen. Die DHV-Tarife werden seit der Kündigung des ZTV bei Neueinstellungen angewendet. Das bedeutet längere Arbeitszeiten, weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie deutlich niedrigere Bezahlung. Inzwischen wurden schon 800 Beschäftigte zu diesen Dumping-Konditionen eingestellt (LZ vom 13.7.2018). 

Widerstand: Gegen diese Politik der Lohnkürzung regt sich erheblicher Widerstand: Am 13. Juli 2018 fand ein bundesweiter Streiktag statt. Vor der Zentrale in Düsseldorf protestierten 1.200 Real-Beschäftigte. Zwei O-Töne: „Das Unternehmen setzt uns die Pistole auf die Brust". „Solche Löhne führen direkt in die Altersarmut der Beschäftigten" (RP vom 14.7.2018). ver.di fordert die UL zur Rückkehr in die Tarifbindung auf.

Zentrale: Mitte 2017 wurde begonnen, die gesamte Verwaltung nach Düsseldorf zu konzentrieren. Im Zuge dieser Maßnahme wurden hunderte Vollzeitstellen abgebaut. Im Juli 2017 einigte sich das Management mit ver.di auf einen Sozialplan (RP vom 25.7.2017).

Erläuterungen: Ebit = operatives Ergebnis (engl.: „earnings before interest and taxes“/Gewinn vor Zinsen und Steuern); GF =Geschäftsführung; GJ = Geschäftsjahr; LZ = Lebensmittelzeitung; PM = Pressemitteilung; RP = Rheinische Post; UL = Unternehmensleitung.

Siehe auch: Metro AG, Schwarz-Gruppe

Dr. Jürgen Glaubitz/Juli 2018