Konzern- und Unternehmensdaten

Sonderpostenmärkte

Sonderpostenmärkte

Sonderpostenmärkte

Während auf der einen Seite immer mehr kleine und mittelständische Händler aufgeben, und viele alteingesessene Läden dichtmachen eröffnen gleichzeitig Billigshop-Betreiber immer öfter neue Filialen. Das Geschäft mit Krimskrams, Deko-Artikeln und Schreibwaren boomt. Märkte von Tedi, Action, Mäc Geiz, Schum Euroshop und Black schießen aus dem Boden wie Pilze im Spätsommer. Mit Rusta, einem schwedischen Billig-Warenhaus tritt nun ein weiterer Konkurrent auf den Plan.

Neben den bekannten Namen gibt es noch unzählige regionale Billiganbieter mit jeweils mehreren Filialen. Derzeit gibt es hierzulande rund 2.500 dieser Sonderpostenmärkte. Deren Betreiber setzen weiter auf Expansion, ihr Filialnetz wächst stetig. In Großstädten, aber auch in kleineren und mittleren Städten.

Sortiment: Nach dem Vorbild der amerikanischen „One Dollar Stores“ handeln die Sonderpostenmärkte mit Restposten, Überproduktionen und Billigstartikeln, von Kerzen, Pfannenwender bis zum Kaugummi, von Abwaschlappen bis zum Zahnstocher. Schwerpunkte sind Schreibwaren, Basteln, Party und Deko. Das Angebot in den Läden ist oft verwirrend und unübersichtlich, bei einigen Anbietern ist das Teil des Konzepts, Kunden kaufen dann am Ende oft mehr als ursprünglich geplant. Tedi wirkt wie eine Resterampe, „in deren Regalen Platz findet, was irgendwo bei einer Havarie anfiel“ (wiwo.de vom 15.3.2017). Das Rusta-Sortiment ist eine „Mischung aus Baumarkt und Grabbeltisch“ (stern.de vom 18.5.2017).

Ein Großteil der Ware kommt aus Asien. Allein in China gibt es hunderte Nippes-Produzenten, die nur für diese Läden billigen Kleinstkram herstellen.  

 

Bekannte Sonderpostenmärkte in Deutschland (Auswahl)

 

 

Filialen

Umsatz

Tedi 1.350 512 Mio. Euro *)
Euroshop 250 107 Mio. Euro
Mäc Geiz 275 150 Mio. Euro
Action 136 270 Mio. Euro
Kodi 250 153 Mio. Euro **)
Thomas Philipps 250 515 Mio. Euro

Quellen: Bundesanzeiger, Handelsdaten, Firmenhomepage; *) GJ 2014, **) GJ 2015.

Erfolg: Dass die Billigheimer derzeit so erfolgreich sind hängt u.a. damit zusammen, dass die Verbraucher hierzulande Discount als ein weit verbreitetes Konzept kennen und annehmen. Bislang ist es vor allem bei Lebensmitteln, Textilien und Möbeln erfolgreich. Wie sich zeigt gibt es immer noch Nischenbereiche für Discount-Bedarf. Zu den Käufern zählen neben einkommensschwächeren Haushalten auch „Spaß-Käufer“ und Schnäppchenjäger. 

  • Aus der Werbung: Euroshop: „Alles 1 Euro“. Black.de: „Massiv günstig“. Tedi: „Die Preise sind klein, die Auswahl ist groß“. Mäc Geiz: „Immer da – immer günstig“.
     

Expansion: Da viele kleine Läden schließen mussten ist vielerorts die Nachfrage nach bestimmten Artikeln vorhanden. Billig-Läden können so oftmals die Rolle von Nahversorgern übernehmen. Sie nutzen Leerstände in den Städten – sie suchen Flächen in sehr günstigen Lagen. Tedi, Action & Co. setzen voll auf Expansion. Tedi eröffnet jede Woche im Durchschnitt drei neue Läden, Black.de will in fünf Jahren 1.000 Filialen in Deutschland gründen, Action plant 2017 60 neue Standorte usw.

 

 

Der „Ramschkönig“: Wenn es hierzulande um Billigläden geht taucht immer wieder der Name Stefan Heinig auf. Der Kik-Gründer und langjährige Kik-Geschäftsführer zog sich 2011 aus der Unternehmensleitung zurück. Er hält weiterhin 15 Prozent der Anteile an dem Unternehmen. Zuvor hatte sich der „Cent-Fuchser“ (und Multimillionär!) Heinig einen äußerst zweifelhaften Ruf erworben, u.a. ging es um massive Vorwürfe wegen Dumpinglöhnen beim Textil-Discounter. Seither steuert Heinig – von der Öffentlichkeit weitgehend abgeschottet – seine Geschäfte über die B.H. Holding GmbH mit Sitz in Bönen. Dort werden auch die gemeinsamen Beteiligungen von Heinig und Tengelmann verwaltet. Zu den Mehrheitsbeteiligungen im Einzelhandel zählen Tedi und Woolworth.

 

„Kik, Tedi, Woolworth – kein Zweifel: Heinig ist Deutschlands ungekrönter Ramschkönig“ (Manager Magazin vom 23.7.2010).
 

Mit Tedi und Black.de treiben Heinig und Haub die Expansion im untersten Handelssegment weiter voran. Black.de breitet sich derzeit vor allem im Ruhrgebiet aus. Das Unternehmen sucht den Zweikampf mit dem Konkurrenten Action. Im Zusammenhang mit den Expansionsplänen spielt auch die Übernahme eines Großteils der Filialen von Charles Vögele eine gewichtige Rolle.

Sonderpostenmärkte - Eigentümerstrukturen
Unternehmen Firmensitz Eigentümer
Tedi GmbH & Co. KG  44309 Dortmund  B.H. Holding GmbH 65 % und Temgelmann 35%
Black.de GmbH & Co. KG 44339 Dortmund Tochterunternehmen von Tedi
Action Deutschland GmbH 40211 Düsseldorf Die niederländische Muttergesellschaft Action NL B.V. ist im Besitz der britischen 3i Group PLC
Schum Euroshop GmbH & Co. KG 97337 Dettelbach Familie Rainer Schum
Mäc Geiz Handelsgesellschaft mbH 06188 Landsberg MTH Retail Group, Österreich
Kodi Diskontläden GmbH 46049 Oberhausen Meridian Immobilien- und Verwaltungs GmbH, Leipzig
Thomas Philipps GmbH & Co. KG 49143 Bissendorf Thomas Philipps und Andre Philipps

Kurzporträts:

Tedi: Der Marktführer Tedi führt mehr als 5.000 Artikel („man findet immer etwas, das man gebrauchen kann“) in rund 1.500 Filialen mit 11.500 Beschäftigten in 6 Ländern. In Deutschland sind es derzeit 1.350 Märkte. Tedi veröffentlicht keine Umsatz- und Gewinnzahlen. Das sehr expansive Unternehmen will weiter wachsen, in diesem Jahr allein um 300 Filialen, die Hälfte davon in Deutschland.

 

Black.de: Haub und Heinig wollen mit der Tedi-Tochter Black.de einen Angriff im Billigsegment fahren. In der Werbung zur Eröffnung der ersten Filiale im September 2016 in Dortmund hieß es marktschreierisch: „Der erste legale Schwarzmarkt in dieser Stadt“. Es gibt große Expansionspläne: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll es 1.000 Black-Filialen geben.

 

Action ... ist ein schnell wachsender internationaler Non-Food-Discounter mit einem Umsatz von 2,6 Mrd. Euro und 35.000 Beschäftigten mit Sitz in den Niederlanden. 1993 wurde die erste Filiale in Enkhuizen eröffnet - heute gibt es 900 Europa-Filialen. Action führt über 6.000 Artikel, das Sortiment wechselt stark. Motto: „Niedrigste Preise und ein überraschendes Angebot“. Eigentümerin ist seit 2011 das britische Private-Equity-Unternehmen 3i. Action Deutschland steigerte zuletzt seinen Umsatz um über 100 Mio. Euro und erhöhte die Zahl der Filialen deutlich.

 

Euroshop: Schum Euroshop (1 Euro Shop) wurde 2004 gegründet. Heute betreibt das Familien-Unternehmen aus Dettelbach bei Würzburg bundesweit über 250 Filialen. 100 Prozent der Artikel werden zu einem Einheitspreis von 1 Euro angeboten.

 

Mäc Geiz: Die Gründung der ersten Filiale des „Haushalts-Discounters“ erfolgte 1994 in Halle (Saale) – heute gibt es rund 275 Standorte. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens 2010 mussten mehrere Filialen an NKD abgegeben werden. Mäc Geiz gehört seither zu der österreichischen MTH Retail Group. In deren Portfolio befindet sich auch die Non-Food-Handelskette Pfennigpfeiffer. 

 

Kodi: Der Haushaltswaren-Discounter mit Sitz in Oberhausen wurde 1981 von der Fa. Spar gegründet. 2002 erfolgte die Übernahme durch die Meridian Immobilien- und Verwaltungs GmbH (Leipzig). Heute gibt es ca. 250 Filialen, die meisten davon in NRW.

 

Rusta: Das Billig-Warenhaus, welches in Schweden und Norwegen über 100 Filialen betreibt, hat für Deutschland „große Pläne“, so die schwedische Unternehmensleitung. Das Sortiment „liest sich wie eine Mischung aus Baumarkt, Aldi-Aktionsware und der Krimskrams-Abteilung von Ikea“ (stern.de). In diesem Jahr gibt es hierzulande zwei Eröffnungen, die erste erfolgte in Lübeck. Man möchte, so heißt es, mit hunderten Filialen den deutschen Markt erobern.

 

Thomas Philipps: Die Sonderpostenmarktkette aus Bissendorf bei Osnabrück wurde 1986 von Thomas Philipps gegründet – heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 3.000 Menschen in der Logistik und den 250 Märkten bundesweit.

 

Erläuterungen: GJ = Geschäftsjahr.
Siehe auch: Tengelmann, KiK
Dr. Jürgen Glaubitz/August 2017